Christian Lindner: „Wir fordern die Bürgerkammer!“ – Wie der junge Liberale mehr Demokratie wagen will

Muss sich beweisen: FDP-Generalsekretär Christian Lindner will auch unkonventionelle Ideen nach vorn bringen. Foto: FDP-Bundestagsfraktion

Muss sich beweisen: FDP-Generalsekretär Christian Lindner will auch unkonventionelle Ideen nach vorn bringen. Foto: FDP-Bundestagsfraktion

Wird er der neue Guido Westerwelle? Der 31-jährige Christian Lindner ist seit genau einem Jahr FDP-Generalsekretär – und möglicher Kandidat für den Posten des Chefs der Liberalen. Jedenfalls würden ihn momentan nicht wenige gerne an der Parteispitze sehen. Der derzeitige Vorsitzende der FDP findet solche Debatten freilich wenig amüsant: Er verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt, lässt Bundesaußenminister Westerwelle seine Kritiker wissen.

Das Personalkarussell der in Umfragen schwächelnden FDP rotiert ordentlich. In der emotionalen Debatte gehen manch interessante politische Ideen allerdings etwas unter. Zum Beispiel die Äußerung von Christian Lindner, dass er die Einrichtung einer „Bürgerkammer“ befürworte. Letztlich sind damit nichts weniger als experimentelle Formen der Bürgerbeteiligung gemeint.

Sind die jungen Politiker der Freien Demokraten jetzt die neuen Basisdemokraten?

Wem gehört die Zukunft: Selbstbestimmten Demokraten oder Wutbürgern?

„Das Demokratie-Experiment Stuttgart 21 zeigt, dass sich direkte demokratische Verständigung lohnt. Die Schlichtung hat hunderttausende Fernsehzuschauer interessiert, schuf Vertrauen durch Transparenz und fand neue Lösungen“, erklärt Christian Lindner per Pressemitteilung, und er hält es auch für richtig, dass man deswegen Konsequenzen für das politisches System ziehen müsse: Wie können Bürger besser an politischen Entscheidungen beteiligt werden?

Einige finden so viel Partizipation unheimlich. Der neue Negativ-Begriff des gegen alles und jeden protestierenden und manchmal auch randalierenden „Wutbürgers“ hat bereits die Runde gemacht.

Den FDPler Lindner ficht das nicht an: „Liberale wollen Bürgerdemokratie. Sie ist kein populistisches Tribunal der Straße, sondern im republikanischen Sinn die rechtsstaatlich gesicherte Selbstregierung der Bürger durch Bürger und für Bürger“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Sein Vorschlag: Nach dem Vorbild der Laien im Gericht könnten zufällig ausgewählte Bürger in einer Bürgerkammer Experten anhören und danach ein „Bürgergutachten“ als Empfehlung an die Abgeordneten entwerfen. In den Kommunen habe man mit Vergleichbarem gute Erfahrungen gemacht, weiß Christian Lindner zu berichten. „Einer zufällig ausgewählten ‚Bürgerkammer‘ kann schließlich keiner den Vorwurf machen, angeblichen Lobbyinteressen zu folgen oder sich vom wirklichen Leben abzukoppeln. Notwendige, aber unpopuläre Entscheidungen könnten so neue Akzeptanz gewinnen“, meint der FDP-Generalsekretär. Für ein solches Instrument müsse kein einziges Gesetz geändert werden, weil es sich um ein informelles Verfahren handelt.

Studierter Philosoph und Internet-Unternehmer

Den Namen Christian Lindner wird man sich merken müssen. Für einen Generalsekretär tritt er fast moderat auf – da haben wir schon ganz andere Kaliber erlebt. Seine selbstbewussten Statements sind jedoch voller Schärfe gegen den politischen Gegner: „Jetzt wie die SPD ohne gesetzliche Grundlage die Auszahlung eines höheren Hartz-IV-Betrages zu fordern, ist der Gipfel der Heuchelei“, twitterte er etwa jüngst.

Christian Lindner trat in die FDP mit 16 ein, studierte nach dem Abi Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie, und er war Inhaber einer Werbeagentur und eines Internet-Unternehmens. Dann wurde er Vollzeit-Politiker: Von 2004 bis Februar 2010 war er Generalsekretär der nordrhein-westfälischen FDP, seit 2007 ist er Mitglied des Bundesvorstands der FDP und seit fast genau einem Jahr Generalsekretär der FDP.

Mandate hatte der Liberale auch schon einige: 2000 bis 2009 saß er im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Von 2005 bis 2009 war er stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, bevor er 2009 in den Bundestag gewählt wurde. Dort ist er unter anderem im Arbeitskreis Innen und Recht und im Wirtschaftsausschuss.

Relaxen kann Christian Lindner bei den sphärischen Sounds des französischen Synthie-Pop-Pioniers Jean Michel Jarre und zu seinen Lieblingsfilmen gehören alle solche mit Steve McQueen, wie er auf seinem Facebook-Profil verrät. Der legendäre US-Schauspieler („Bullitt“, „Flammendes Inferno“) war übrigens zu Lebzeiten stets ein Haudegen. Der muss man auch als FDP-Generalsekretär sein. Einstecken und austeilen, das gehört zum Posten dazu. Diese Eigenschaften scheint Christian Lindner jedenfalls allemal mitzubringen.

Mehr Infos: www.christian-lindner.de

Ein Gedanke zu „Christian Lindner: „Wir fordern die Bürgerkammer!“ – Wie der junge Liberale mehr Demokratie wagen will

  1. eisel-sanders

    Ich bin seit 1974 FDP – Wählerin – obwohl meine Familie ATH(Arbeiter) ect immer aus Überzeugung SPD gewählt haben ….Schrecklich!…….Sie könnten mein Sohn sein! BITTE!BITTE!Meine Sandwich-generation- braucht solche überzeugte politiker wie Sie Herr Llindner. Herr Rössler wird der FDP Mittelstandspartei mit Sicherheit nur schaden!
    Er überzeugt einfach mit seinem WESEN nicht!

Kommentare sind geschlossen.