Katharina Nocun hat kein Verständnis für Maut-Überwachung, Biometrie-Perso, Nacktscanner und Zug-Namenstickets

Katharina Nocun (29) hat eine klare Haltung zu dem überbordenden Sammeln von Daten: Nein, danke! Die ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland leitet bei Campact e.V. u.a. die Kampagne „Schutz für Edward Snowden in Deutschland“. Entsprechend intensiv setzt sie sich für Datenschutz ein.

Wohin gehen die Daten?

Katharina Nocun

Katharina Nocun als frisch gewählte Geschäftsführerin der Piraten 2013. Foto: Marcus Sümnick, lizensiert unter CC BY SA 2.0.

Überall werden derzeit in Echtzeit haufenweise Daten gesammelt, ein Ende ist nicht absehbar – im Gegenteil. Immer umfassender scheint die Datensammelwut von Staaten und Unternehmen zu werden, immer unklarer ist, wohin die kollektivierten Daten fließen und wie sicher und wie lange sie gespeichert werden.

Die Gründe sind klar: die technische Machbarkeit zusammen mit einem fast schon paranoiden Sicherheitsdenken vieler Regierungen und die immer bessere Verwertbarkeit von Daten im kommerziellen Bereich sorgen für Versuchung.

Nicht immer ist die Daten-Sammelei völlig falsch oder unnütz, aber es muss generell transparent, sicher und rechtsstaatlich ablaufen. Der Bürger bzw. demokratisch gewählte Gremien müssen viel mehr Kontrolle über Daten haben. Leider ist das bei vielen fragwürdigen „Datensammel-Maschinen“, die Katharina Nocun hier anspricht, wie z.B. Maut-Überwachung, Biometrie-Perso oder Nacktscanner und jetzt wahrscheinlich auch bald Zug-Namenstickets, was noch das harmloseste Beispiel ist, nur unzureichend oder gar nicht gegeben.

Erhöhen Zug-Namenstickets wirklich die Sicherheit?

Viel gravierender ist auch, dass der Sinn der Daten-Sammlungen oft nicht klar ist: Hilft eine Maßnahme wie Namenstickets bei der Bahn wirklich bei der Verhinderung von Anschlägen oder bei der Strafverfolgung? Oder wird dadurch die viel eher Freiheit in einem überzogenen Maße eingeschränkt (übrigens das, was Terroristen mit ihren Anschlägen eigentlich bezwecken).

Katharina Nocun hat hier nochmal den Finger in die Wunde gelegt. Schon bei den Piraten war sie an vorderster Front für mehr Datenschutz aktiv, konnte aber trotz der virulenten Themen, die sich die Netzpolitik-Partei auf die Fahnen geschrieben haben, als Geschäftsführerin nicht entscheidend dazu beitragen, den fortschreitenden Niedergang der Piratenpartei in Deutschland zu bremsen.

Dass übrigens Edward Snowden nach Deutschland kommen wird, ist nach derzeitiger Rechtslage wohl sehr unwahrscheinlich. Keine Bundesregierung würde da wohl mitspielen.